Fahnenmutterbitten

Nachdem man erfolgreich einen Schirmherrn gefunden hatte, war die nächste Aufgabe, eine Fahnenmutter zu finden, die dem Fest einen würdigen Rahmen verleihen sollte. Zu diesem Zwecke traf sich die FFW gemeinsam mit dem Schirmherrn Bürgermeister Max Schadenfroh und seiner Gattin Edith am Gerätehaus in Reichstorf. Musikalisch begleitet von Franz Waldherr marschierte man zum Gasthaus Fischhold. Man wollte die Herbergswirtin Sieglinde Fischhold bitten, das Amt der Fahnenmutter zu übernehmen. Doch so leicht wurde es uns nicht gemacht, denn zunächst war uns der Eingang versperrt. Um diese Barriere zu überwinden, mussten sich die zwei Vorstände Alois Stömmer und Kurt Vogel sowie die zwei Komandanten Walter Lorenz und Alfons Schweizer den Weg frei sägen. Mit "modernsten" Sägen wurde diese Aufgabe letztendlich gemeistert, obwohl der erste Kommandant von Georg Böhmisch abgelöst werden musste. Auch der Schirmherr unterstützte im wahrsten Sinne des Wortes die Säger.

Nun war der Weg in den Festsaal frei. Dort angekommen, knieten sich die Vorstände und Kommandanten zusammen mit dem Schirmherrn auf einen mitgebrachten Scheitel nieder und Ausschussvorsitzender Alois Stömmer trug die Bitte in Versform vor.

Liabe Siglinde du werst dass scho wiss'n
Das ma heia na feiern miass'n,
a'große gschicht steht vor der Tür
Und desweng sama heit hier.

Kaum zu glaub'n oberes is wirkle woar
d'Reichstorfer Feierwehr wird heid 125 Joar.
Blos dös oane is saubled,
Mir hama nakoa Fahnamutta net.
drum kimmt da Festausschuß von da Reichstorfa Wehr
Zu Dir heit mit a b'sondern Begehr.

Mit'n Schirmherr in da Mitt'n
Knian ma uns jetzt voa Dir mit na groß'n Bitt'n.
Drum mecht ma Di jetzt frog'n,
denn des liegt uns ganz schee im Mog'n,
ob's Du dads't des Amt übernhema,
drum sama heit zu Dir her kema

Umrahmt vo lauta fesche Feierwehrmanna
Soist Du führ'n unsa neie Fahna,
inmitt'n von den Mädchen und Damen
die des ganze na feierlich umrahmen.
Siglinde Du glaub'st as kaum
Du warst einfach unser Traum,
wenns't zuasong dads't, des war hoit recht
wenns't na sog'st, is des für uns ganz schlecht.

Drum bitt i Di von Herzen heit
Und mit mir de ganz'n Feierwehrleit,
moch uns de Fahnamuatta dieses Joar,
sag ja, dann wa des Bitt'n gor.

Siglinde jetzt knia ma mir vor Dir,
hob Erbarmen mit unsere Knia,
sog jetzt ja - des muaß jetz'sei
dann kema uns auf de Fahnaweih g'frei.
Sog jetzt ja - sog einfach zua,
dann kema wieda schlaffa in aller Ruah.
Als Dankeschön doan ma na a Bleame geb'n
Und los ma Di na recht hoch leb'n



Sieglinde Fischhold erklärte sich grundsätzlich dazu bereit, das Amt der Fahnenmutter zu übernehmen, allerdings mussten sich die Ausschussmitglieder noch als würdig erweisen. Um für die kommenden Aufgaben gestärkt zu sein, wurde ihnen zunächst eine delikate Suppe serviert, das es galt schnell auszulöffeln. Allerdings sollte sich diese Aufgabe als nicht so leicht herausstellen, da die Löffel einige Löcher aufwiesen, so dass mehr Suppe wieder zurück in die Teller tröpfelte las in die Mäuler der Feuerwehrler. Nachdem auch der letzte Teller erfolgreich geleert war, war harte Arbeit angesagt. Sieglinde schickte die Kommandanten und Vorstände zur Feldarbeit. Dazu wurde eigens ein kleines Gurkenfeld im Saal angebaut, welches es abzuernten galt. Dabei mussten die Gurken gleich verspeist werden. Um größeren Durst zu vermeiden, fanden die Erntehelfer auch hochprozentige Gewächse vor. Der Trekker wurde von Gerhard Steinbeißer gefahren. Die Ernte wurde unter großem Beifall der Zuschauer erfolgreich eingefahren.

Die letzte Aufgabe wurde dann zum größten Hindernis. Da Sieglinde Fischhold aus eigener Erfahrung wusste, dass die Feuerwehrmänner nur ungern ihre Krawatte nach einem Ereignis öffnen, sondern gleich gebunden in den Schrank hängen, mussten die Ausschussmitglieder ihre Krawatten entknoten und neu binden. Dabei kamen einige Herrn besser ins Schwitzen als vorher beim Sägen.
Doch nachdem auch diese Aufgabe mit vereinten Kräften gemeistert wurde, gab Sieglinde Fischhold ihr Jawort. Daraufhin bedankten sich der Festausschuss und der Schirmherr mit Blumen und einem Präsent. Der erfolgreiche Bittgang wurde noch bis spät in die Nacht ausgelassen gefeiert. Der Ausschuss war über den Erfolg so glücklich, dass der erste Vorsitzende Alois Stömmer und der erste Kommandant Walter Lorenz die künftige Fahnenmutter nicht mehr aus den Händen geben wollten.



ZURÜCK